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Heute ist Vollmond. Und in diesem Monat wird noch ein Blue Moon erwartet. Mondbeobachtungen haben heute kaum noch einen praktischen Mehrwert. In der Vergangenheit war das anders, als das Mondlicht noch als begehrte nächtliche Lichtquelle benutzt wurde - künstliche Beleuchtung gab es nämlich damals nicht. Um die Vollmondzeit herum fanden früher nächtliche Versammlungen statt, man beging Feste, vor allem in südlichen, klimatisch heißen Ländern, wo der Tageshitze ausgewichen werden konnte. Laut der antiken Geschichtsschreiber beklagten sich die römischen Kaiser um die Neumondzeit des Öfteren, dass ihre Städte in pechschwarzer, bedrohlicher Finsternis versinken. Da der erste römische Kaiser Augustus heißt und Monats-Namensgeber wurde, hier ein paar Aspekte zum Thema Mond.

Der eingangs erwähnte Blue Moon ist eine in Amerika gebräuchliche Bezeichnung für einen weiteren Vollmond im Monat. Ein Ereignis, welches derweil nur alle zwei bis drei Jahre stattfindet. Am 31. ist es in diesem Monat wieder so weit. Angeblich geht die Bezeichnung auf einen blaufarbigen Eintrag in einem kalendarischen Bestimmungsbuch zurück. Aufgrund der seltenen Gegebenheit heißt es auch: Darling, I will marry you once in a blue moon, sinngemäß übersetzt Liebling, auf die Hochzeit kannst du lange warten!

Die Astrologie, Sterndeutung, setzt voraus, dass die Sterne den entscheidenden Einfluss auf die Psyche und Bestimmung der Menschen haben. So leitet sich das Wort Laune auch vom lateinischen Wort luna (Mond) ab, im englischen bedeutet lunatic schlicht verrückt oder auch mondsüchtig.

Der Mond diente früher auch als natürlicher Zeitmesser. War dieser nach Neumond zu sehen und vergrößerte sich seine Sichtbarkeit, riefen Gelehrte, Priester und Könige in der Antike einen neuen Monat aus. Ausrufen heißt im Lateinischen calare. Daher kommt die Bezeichnung Kalender – der Mond (Monat), ein natürlicher Kalender. Ungeachtet dessen, dass wegen der größeren Genauigkeit die späteren und weiterhin gültigen Kalender sich nicht mehr am Verlauf des Mondes, sondern an der der Sonne messen. Ein Jahr bezeichnet wie bekannt einen Umlauf der Erde um die Sonne. Zwar noch immer nicht mit hundertprozentiger Genauigkeit zur Definition gebracht, Stichwort Schaltjahr, aber wie es doch so treffend heißt, der liebe Gott hat die Zeit erfunden, der Teufel den Kalender.

Vor fünfzig Jahren erschien das Album The Dark Side oft the Moon der Musikgruppe Pink Floyd. Ein irreführender Titel! Von der Erde aus betrachtet gibt es, ja, eine von der Erde aus betrachtet niemals sichtbare Seite des Mondes, die Rückseite halt, doch dunkler als die für uns sichtbare Seite ist sie nicht. Da der Mondumlauf um die Erde rund 27 Tage dauert, die Umdrehung des Mondes um seine Rotationsachse jedoch genauso lange, kehrt der Mond uns stets die gleiche Seite zu, die wir dann richtigerweise als Vorderseite bezeichnen. Nur, wie auf dieser erdzugewandten Seite herrscht auch auf jener Rückseitigen die jeweils gleiche lichte Zeit, nämlich abwechselnd zwei Wochen lang heller Tag und zwei Wochen lang dunkle Nacht. Die letzte Liedzeile des Pink Floyd Albums lautet denn auch: There ist no Dark Side of the Moon realy.

By the way: Diese letzte Wortsequenz stellt einen Mann namens Gerry O’Driscoll ins rückwärtige Licht, den ehemaligen Türsteher der Abbey Road Studios (London), in denen das Album aufgenommen wurde und der womöglich schon damals ein geistiger Patensohn einer bis in die Gegenwart mit Sonne, Mond und Sternen gereiften Dame gewesen war; diese bis heute in den Wäldern Brandenburgs unweit von Berlin (Germany) lebend. Mr.O‘Driscoll antwortete nämlich damals auf die Frage, was die dunkle Seite des Mondes sei, in einem episch theatralischen, einem Bertolt Brecht nachempfundenen Duktus: Es gibt eigentlich keine dunkle Seite des Mondes, tatsächlich sei alles dunkel, das Einzige, was diesen aussehen lasse, sei die Sonne.

Anyway! Da verborgende, nicht einsehbare Gefühle die sogenannte dunkle Seite einer Menschenseele ausmachen können, blaue Töne auf sinnliche Art und Weise Melancholie und Schwermut zum Ausdruck bringen, wird mir gerade das Schreiben vollmondrund. Folgerichtig geht nun dieses Kapitel nach exakt 27minütigem Niederschriftenumlaufverlauf zu Ende.

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